Die Geschichte des Schiffmeisterhauses

von fisch E-Mail

„... Seine vierschrötige Standfestigkeit, die wenigen Fenster der Straßenseite, […], das hohe, mit einem mächtigen Schornstein verzierte Schindeldach, […] – all das erinnert an ein gut gefügtes, die Zeiten überdauerndes Bauerngehöft. Diesem Vergleich aber widersprechen das ganz herrschaftlich Geräumige der Fenster, [… ]. Da ist außerdem seitwärts von der Straße das prächtige Tor, das der Zufahrt eines Wiener Palais nachgebildet scheint. So wechselt hier das Bäurische, kräftigen Erdensinn Bezeugende mit dem Anspruch auf Vornehmheit, den wir von den Landschlössern her kennen. Aber beides verfließt ein einer glücklichen Mischung ineinander und dies mach wohl den Zauber dieses Gebäudes aus.“ (Robert Braun, 1938)

Kurz: das Schiffmeisterhaus gibts auch nicht mehr. Es musste zwar keinen Panzern, aber dem Stausee weichen. Alle Proteste der Bevölkerung nutzten nichts.

 

...

Zum Abriss des Schiffmeisterhauses

1922 wird mit der Planung eines Kraftwerkes in Ybbs-Persenbeug begonnen, 1938 mit dem Bau angefangen. Die neue Wasserhöhe beträgt 224,13 m über NN, das Schiffmeisterhaus soll entlang der Bastion abgedichtet und durch Pumpen ergänzt werden. 1940 wird kriegsbedingt eine Neuplanung vorgenommen, die das neue Stauziel bei 225,63 m über NN vorsieht, doch die Arbeiten daran müsssen wegen des Kriegs eingestellt werden. Nach dem II. Weltkrieg werden die Pläne abermals geändert, bis 1947 die Österreichische Kraftwerke AG mit dem Bau betreut wird und das Stauziel um nochmal 0,6 m erhöht wird. Hier spielt nicht nur der viel größere Energiegewinn eine Rolle, sondern auch weitere in Planungen stehende Kraftwerke.

Der neue Oberwasserspiegel erfordert eine Erhöhung des Geländes, weil sonst der halbe Ort in seiner ursprünglichen Form überflutet würde. Eine Abdichtung bzw. Eindeichung des Schiffmeisterhauses wird unmöglich, weil das Wasser bis zum ersten Stock reichen würde.

Da das Schiffmeisterhaus unter Denkmalschutz steht, wird nach Lösungen gesucht, es zu erhalten. Erste Ideen, das Haus zu heben und die Fundamente zu unterfangen erweisen sich wegen des Untergrundes als unmöglich. So entsteht der Vorschlag, das Schiffmeisterhaus zu zerlegen, das Gelände ausreichend zu erhöhen, um danach das Haus wieder originalgetreu aufzubauen. 1 (Dieser Vorschlag wird vom Denkmalamt akzeptiert, ein schwerwiegender Fehler, wie sich herausstellen sollte. PF)

Doch im Zuge der Bauarbeiten wird beschlossen, die Bundesstrasse zu verlegen. Sie soll verbreitert, in ihrem Verlauf gerader und somit übersichtlicher werden. Die 'neue' Straße würde genau über das Schiffmeisterhaus laufen. Da sich die Bodenverhältnisse weiterhin als äußerst schwierig darstellen, ist es nicht möglich, mit dem Schiffmeisterhaus weiter in den Strom zu rücken.2

Nach vielen Verhandlungen erhält die Österreichische Kraftwerke AG schließlich eine Abbruchbewilligung, mit der Begründung, dass das Denkmalamt einer Abtragung schon zugestimmt hat und der Denkmalschutz für ein rekonstruiertes Gebäude nicht aufrecht erhalten werden muß. Die Besitzer erhalten eine Entschädigung.

Das Kraftwerk verpflichtet sich eine Bauaufnahme des Schiffmeisterhauses durchzuführen und ein Modell dessen samt Umgebung im Maßstab 1:100 anfertigen zu lassen.2



Franz Brazda, Schiffmeisterhaus

Quellen: Christine Schindler, Das Schiffmeisterhaus Schalberger in Sarmingstein, Wien 2008.

1. Seyr, Die Schiffmeisterfamile Schalberger,,,. S 30 - 31
2. Akt des Denkmalamtes in Linz, 23.07.1957